Stefan ist tot. Er starb vor wenigen Wochen bei einem Unfall. Viel zu früh, viel zu plötzlich. Er wurde 46 Jahre alt.
Für alle, die ihn als [TRAUBE]deamon kannten: Heute haben wir ihn begraben. Und wir haben ein letztes Mal für ihn getan, was wir immer getan haben. Wir haben Traube gebildet. Wir standen zusammen, wir haben ihn auf seinem letzten Weg begleitet, und wir haben uns verabschiedet von einem Menschen, der von Anfang an dabei war – und ohne den das alles nicht das gewesen wäre, was es war.
Stefan war einer der Gründer des Franken Frag Festivals. Er gehörte zum Kernteam, von den allerersten Versuchen an, überhaupt so etwas wie eine LAN-Party auf die Beine zu stellen. Er war nicht irgendjemand im Team. Er war die Säule, an die man sich wandte, wenn ein Problem zu kompliziert war für alle anderen.
Und diese Probleme hat er gelöst. Jedes einzelne.
Stefan hat Software für die F3-LAN geschrieben, die ihrer Zeit voraus war. In einer Ära, in der der Begriff „Web 2.0" noch nicht existierte, baute er dynamische Webanwendungen, die Dinge konnten, die heute noch nicht selbstverständlich sind. Sein Meisterstück: eine Live-Defragmentierung von Sitzplänen. Wer jemals versucht hat, auf einer LAN-Party mit Hunderten von Leuten die Plätze sinnvoll zu organisieren – Clans zusammen, Freunde nebeneinander, Netzwerktopologie berücksichtigt – der weiß, was für ein absurd schwieriges Problem das ist. Stefan hat es gelöst. Elegant, live, dynamisch. Etwas, das in vergleichbarer Komplexität bis heute bei keiner Fluggesellschaft richtig funktioniert, lief bei uns auf den F3-LANs – weil Stefan es gebaut hat.
Aber Stefan war weit mehr als ein brillanter Techniker.
Er war ein Gamer. Und er ist es geblieben – von damals bis zuletzt. Kein echter Gamer gibt das jemals ganz auf, und das gilt für uns alle. Aber Stefan war aktiver als die meisten von uns, konsequenter, präsenter. Und wer ihn je in einer Instagib-Partie erlebt hat, weiß: Er war meistens Erster. Mit einem Trackball. Wer das einordnen kann, weiß alles über Stefan, was man wissen muss.
Und genau das machte ihn auch abseits des Spiels zu einem Anker. Er war derjenige, durch den Freundschaften die Jahrzehnte überdauerten – auch wenn sich viele von uns natürlich auseinandergelebt haben. Familie, Kinder, Jobs… Leben halt. Aber Stefan war da. Er hielt Fäden zusammen, von denen andere gar nicht wussten, dass sie noch existierten.
Er war Teil des [TRAUBE]-Clans, aus dem alles entstanden ist – der Clan, aus dem die 12 Gründungsmitglieder kamen, die später den F3-LAN e.V. gründeten.
Er war ein neugieriger Mensch. Nicht nur technisch neugierig – auch menschlich. Stefan interessierte sich für die Leute um ihn herum. Er war offenherzig, hilfsbereit, einer, der sich für nichts zu schade war. Wenn etwas getan werden musste, hat Stefan es getan. Ohne Aufhebens, ohne Drama.
Er war lustig. Wer ihn kannte, weiß das. Er hatte diese Art, Dinge zu sagen, die einen zum Lachen brachten. Nicht laut, nicht aufgesetzt – einfach klug und trocken und mit diesem typischen deamon-Humor.
Stefan war einer, der schon damals seinen ganz eigenen Weg gegangen ist – und das ist absolut positiv gemeint. Er hat nie den naheliegenden Weg gewählt, wenn es einen interessanteren gab. Er hat nach dem Informatik-Diplom an der FAU Erlangen-Nürnberg promoviert, hat in der Open-Source-Community als Ubuntu Core Developer Spuren hinterlassen und als Systemarchitekt in der Automobilindustrie an den kompliziertesten Problemen gearbeitet. Dr. Stefan Potyra – ein unglaublich schlauer Mensch, der seine Intelligenz nie vor sich hergetragen hat.
Das Franken Frag Festival wäre ohne Stefan nicht das gewesen, woran wir uns alle erinnern. Nicht diese LANs, nicht diese Atmosphäre, nicht das, was die F3-LANs besonders gemacht hat.
Hinter jeder guten LAN steckt jemand, der die Probleme löst, die niemand sonst lösen kann. Das war Stefan. Still, zuverlässig, brillant.
Es ist schwer, sich von jemandem zu verabschieden, der so viel zu früh gehen musste. Aber heute standen wir zusammen. Die [TRAUBE]n von damals. Und wir haben das getan, was wir am besten können:
Traube bilden.
Ruhe in Frieden, deamon.